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Archiv für die Kategorie ‘Aus unserer Arbeit’

Mittwoch, 27. Juli 2011

Der Computer kennt kein Ölkännchen

Ist das gut oder schlecht? 

Hardware und Software unterliegt ständiger Veränderung. Höhere Leistungsfähigkeit, technologische Weiterentwicklung, ein Mehr an Funktionalität erleben wir in immer kürzeren Zyklen. 

Leider lassen diese Vorteile keine Wahl – wer IT in seinen geschäftlichen Prozessen einsetzt, ist gezwungen, die Entwicklung mitzumachen. 

Und das zu hohen Kosten. 

Die Hersteller von Hard- und Software greifen damit quasi in die mittelfristige Budgetplanung der Organisation ein 

Das Ölkännchen – an was erinnert uns das?

Mit dem Ölkännchen verbinden wir das Bild gepflegter Produktionsmittel. Wartung und sorgsamer Umgang führen dazu, dass Anlagen, Fahrzeuge und Maschinen lange genutzt werden können. Oft über den Zeitraum ihrer Abschreibung hinaus – was erfreuliche betriebswirtschaftliche Effekte hat. Wartung im Bereich der Sachanlagen ist also konsequent umgesetzter Investitionsschutz. 

Dieses gewohnte Bild lässt sich leider nur bedingt in die Welt der Informationstechnologie übertragen. Die Hardware und Software kennt zwar kein Ölkännchen – aber sie braucht auch Wartung und Pflege. 

Leider erleben wir hier aber nicht den Effekt, dass eine gut gewartete Hardware und eine sorgsam gepflegte Software-Landschaft sich lange unverändert nutzen lassen. Irgendwie scheint es, dass immer und immer wieder Investitionen in die Informationstechnologie erforderlich werden. 

Die “level of separation” der Informationstechnologie

Um beim Bild zu bleiben: die beweglichen Teile der Maschinen bleiben stabil. Sie mögen defekt werden – das Ersatzteil entspricht in seiner Spezifikation aber immer dem alten Teil. 

In der Hard- und Software ist das nicht der Fall. 

Liegen die “Geburtszeitpunkte” der alten und der neuen Komponente zu weit auseinander, kommt es zu Unverträglichkeiten – von Sicherheitslücken ganz abgesehen. Die neue Software ist nicht dafür vorgesehen, mit allen bereits vorhandenen Produkten zusammen zu arbeiten. 

Das ist aus Sicht der Hersteller nachvollziehbar: Das eigene Software-Produkt muss im Verbund mit den anderen Produkten, auf die es angewiesen ist, um lauffähig zu sein, entwickelt, getestet und supportet werden: Das hochfiligrane Bildbearbeitungsprogramm braucht eine Runtime, ein Betriebssystem, eine Datenbank, ein Framework und, und, und. 

Setzt man die Kette der Abhängigkeiten fort, stellt man fest, dass alle Komponenten über verschiedene “level of separation” am Ende nicht separat – und damit unabhängig voneinander gehalten werden können, sondern “aufeinander angewiesen” sind. 

Am Ende setzt auch das Betriebssystem eine Prozessorlinie voraus, mit der es sich gut versteht, eine Hauptspeichergröße, in der es sich wohlfühlt und eine Mindestforderung an Plattenplatz, in dem es sich ausbreiten und bequem einrichten möchte. 

Und die Hersteller sind bemüht, die Anzahl der möglichen Kombinationen von Produkten und Hardware-Ausbaustufen klein zu halten – Kombinatorik kostet Zeit und Geld in Entwicklung und Test und lässt den Support im Fehlerfall zeitaufwändig und teuer werden. 

Der Dominostein-Effekt

Diese Abhängigkeiten bringen eine andere Form des Domino-Effekts hervor. Sie kennen ihn, wenn ihr privater Personal-Computer beim abendlichen Herunterfahren noch nicht müde ist, sondern noch ein wenig spielen möchte “Schalten Sie den Computer nicht aus – Updates werden installiert” warnt ein Hinweis. 

Das ist der Dienstag Abend. 

Der Mittwoch sieht ein Java, das freudig verkündet, nun auch in aktuellerer Version vorhanden zu sein. 

Da möchte der Reader nicht zurückstehen und macht sich ebenfalls “frisch”. 

Das Ganze geht noch munter in Form einer gedämpften Schwingung weiter, bis das System wieder in einem eingeschwungenen Zustand ist. Was durchaus eine Woche oder mehr anhalten kann aber nicht immer bewirkt, dass der eingeschwungene Zustand auch ein stabiler ist. 

Was sich im Kleinen in Form von Fortschrittsmeldungen einzelner Software-Komponenten bemerkbar macht, erleben Unternehmen im Großen als Domino-Kette in den Produktan- und -abkündigungen. 

Für neue Versionen wird dediziert festgelegt, welche Umgebung bereitstehen muss. Leider macht die Software das nicht mehr selber, da muss der Anwender schon Hand anlegen. In diesem Fall der Rechenzentrumsbetrieb, der neue Versionen einspielt. Der Datenbanken konvertiert, weil sich Formate ändern. Nachdem in der Anwendungsentwicklung mit hohem Aufwand dafür Sorge getragen wurde, dass die Anwendungen sich mit der neuen Datenbank verstehen. Nachdem der Einkauf durch spürbare Lizenzzahlungen das kommerzielle Feld bereitet hat, in dem die neue Datenbankversion genutzt werden kann. 

Ältere Versionen laufen “aus dem Support” – was bedeutet, dass das Störungsrisiko jetzt beim Anwender liegt. Da nur wenige Organisationen gut leben können, wenn ihre Geschäftsanwendungen “stehen”, ist das eine starke Motivation, doch eineneuere Version einzusetzen. 

Die Geschichte mit Einspielen, Anpassungen, Lizenzen bildet auch hier den Refrain – mit der Kernaussage des Budgetverzehrs. 

Die Grenzen der Portokasse

Die Produktlebenszyklen bei Hard- und Softwareversionen haben sich verkürzt – was die großen Anpassungen angeht, ist eine weitere Verkürzung kaum noch möglich. Den Organisationen gelingt es kaum, ihre Investitionen in Programmanpassungen, in Lizenzen und in Infrastruktur zu amortisieren.

Die Beträge die für diese Anpassungen aufgewendet werden, stellen einen beträchtlichen Teil des IT-Budgets dar. Die Fachseite würde sich wünschen, für diesen Teil Funktionalität zu sehen, die die Prozesse schneller und stabiler trägt.

Stattdessen müssen diese Kosten getragen werden, um die Schicht der darunter liegenden Software-Komponenten immer mit den Versionen bestückt ist, für die Hersteller ein reibungsfreies Zusammenwirken – drücken wir es vorsichtig aus: zusichern.

Mittlerweile ist der Anteil der Aufwendungen für diese Kategorie in einer Größenordnung angekommen, der nicht mal eben außerplanmäßig bereitgestellt werden kann. Er muss beplant werden – und das langfristig.

Das stellt Organisationen vor die Herausforderung Veränderungen ihrer Plattformen so zeitig zu planen, dass statt realer Versionsangaben mit Platzhaltern gearbeitet werden muss: Was in Jahr x+2 an Veränderung der Plattform-Komponenten, ist noch nicht vorhanden. Damit es aber in x+2 umgesetzt und abgeschlossen sein kann, muss es im Jahr x+1 als Auftrag in die Entwicklung gegeben werden, damit Anpassung und Test der Anwendungen in angemessener Zeit erfolgen.

Damit das geschehen kann -so die Fortsetzung der Rückrechnung- müssen die Veränderungen bereits heute beschlossen sein und bekannt gegeben werden. Sonst fehlt die Zeit, die benötigt wird, um Anpassungsaufwände abschätzen zu können. Und eine Einplanung der Budgets für die Anpassung im Folgejahr und die Beschaffung der Lizenzen ist ebenso im Jahr x notwendig.

Es sei denn, die Portokasse ist ausreichend dimensioniert, um solche Anpassungen aus dem laufenden Cash-Flow zu bezahlen. 

Die Konsequenz: konsequente Berücksichtigung der Veränderung

Im Unterschied zu Sachanlagen gelingt es nicht, Hard- und Software-Infrastrukturen lange unverändert zu belassen: Technologie und Markt bringen Veränderung unausweichlich in die Plattformen. 

Um dauerhafte Besserung zu erreichen, muss sich die Erkenntnis, dass sich die Systeme verändern, in der Struktur der Systeme widerspiegeln. Dies bedeutet konkret, dass die Architekturen Veränderungen unterstützen müssen. Komponenten, die sich dauernd verändern, müssen anders behandelt werden als solche, die längerfristig stabil bleiben. Bei hohen Änderungsraten kann eine Kapselung der Komponente und eine konsequente Standardisierung der Schnittstellen helfen. Neben der hohen Frequenz der Änderungen in den Versionen einzelner Systeme, der seinen Ursprung oft in den Veränderungen in den Prozessen und letztlich im Markt hat, kann man auch beobachten, dass die Systeme als solche relativ alt werden. Softwaresysteme deren Ursprung 20 bis 30 Jahre zurückliegt sind keine Seltenheit und bilden oft das Rückgrat der Unternehmen. Um diese Systeme fit für die Zukunft zu machen, müssen sie durch sukzessive Restrukturierung änderungsflexibel gemacht werden. Ob dies lohnt oder der steinige Weg des Austauschs mehr verspricht, muss jeweils im Einzelfall geprüft werden. Auf jeden Fall sollte das neue System dann die erforderliche Flexibilität aufweisen. Denn: Damit es besser wird, muss sich etwas ändern, aber wenn sich etwas ändert bedeutet es noch lange nicht, dass es besser wird. Besserung bedarf intelligenter, vorausschauender Planung. Unzufriedenheit mit dem Vorhandenen reicht alleine nicht aus und ist oft kein guter Ratgeber.

Solange also die Erfindung des “Ölkännchens” für die Hard- und Software auf sich warten lässt, bleibt also nur eine Strategie: konsequente Vorschau zu den Versions- und Technologiewechseln – über mindestens zwei Jahre! 

Damit verhindern Sie, dass die Hersteller faktisch ein “Mitgestaltungsrecht” in der laufenden Budgetperiode ausüben – in Form von Produktabhängigkeiten, die sie kurzfristig zu Anpassungen zwingen. Sie behalten mit dieser vorausschauenden Planung die Entscheidungshoheit, wann und in welchem Umfang sie Technologiehübe adaptieren können – und wollen.

Dienstag, 24. Mai 2011

Vom Fat Client zum Thin Client

Die Migration vom Fat Client zum Thin Client bietet attraktive Möglichkeiten zur Einsparung von IT-Ressourcen. Erhebliche Einsparpotentiale bieten sich durch vereinfachte Administration und geringere Migrationskosten bei Updates oder Releasewechseln. Zudem sinken im Rahmen solcher Projekte Strom- und Wartungskosten für Hardware und durch die rein zentrale Speicherung der Daten ergibt sich ein Sicherheitsgewinn. Wird das Projekt gut durchgeführt, profitieren auch die Endanwender – zum Beispiel durch Fernzugriff von zu Hause oder einen Gewinn an Performance oder Flexibilität am Arbeitsplatz.

Folgendes Vorgehen hat sich bei der Migration in unseren Projekten bewährt:

Erster Schritt: Applikationsportfolio entrümpeln.

Auf allen Arbeitsplätzen sammelt sich im Laufe der Jahre Software an, die nicht mehr benötigt wird. Sei es, weil sie nur für ein bestimmtes Projekt eingesetzt wurde oder weil sie technische Anforderungen abdeckte, die nicht mehr gegeben sind. Oftmals sind im Unternehmen auch verschiedene Software-Pakete für eine Funktionalität im Einsatz. Hier muss über eine Konsolidierung nachgedacht werden, auch wenn das nicht primär im Ziel des Thin Client Migrationsprojektes liegt.

Zweiter Schritt: Plattformentscheidung – Terminal Server, Virtueller PC oder doch Notebook?

Aufgrund des bereinigten Applikationsportfolios kann pro Anwenderprofil entschieden werden, auf welche Plattform migriert wird.

Funktionale Anforderungen wie mobiles Arbeiten müssen ebenso beachtet werden. Diese lassen sich praktisch nur im persönlichen Gespräch ermitteln. Erstaunlich ist immer wieder, wie viele Personen bereit sind das eigene Notebook abzugeben.

Terminal Server bieten in der Regel ein reduziertes Applikationsspektrum, aber geringere Kosten und die Möglichkeit, neue Benutzer sehr schnell ins Unternehmen zu bringen. Virtuelle PC hingegen sind ebenso flexibel wie Desktops, verbrauchen aber mehr Ressourcen und müssen für neue Anwender erst erstellt werden. In diesem Schritt kann noch entschieden werden, dass Applikationen, die von vielen Personen genutzt werden auf den Terminal Servern verfügbar gemacht werden, um diesen Personenkreis auch auf Terminal Server statt auf Virtuelle PC umzustellen. Für das Paketieren und Testen solcher Software ist genügend Zeit einzuplanen.

Dritter Schritt: Migration in den Testbetrieb.

Die alte Hardware verbleibt zunächst beim Anwender, wird aber soweit deaktiviert, dass aus dem PC oder Notebook eine Art Thin Client wird. In diesem Modus ist der Anwender gezwungen, bereits mit der neuen Plattform zu arbeiten, kann aber beim Auftreten von Problemen schnell wieder zurückgeschaltet werden. In dieser Phase werden sukzessive alle Anwender auf die neue Plattform gehoben.

In der frühen Testphase fallen oftmals Aspekte auf, die die Plattformentscheidung für die übrigen Anwender beeinflussen. Deshalb empfiehlt es sich, mit repräsentativen und technikaffinen Anwendern pro Funktionsbereich zu beginnen und diese von der neuen Plattform zu überzeugen. Diese helfen dann dabei, die mit einer solchen Umstellung verbundenen Ängste bei den Mitarbeitern abzubauen. Wichtig ist, dass diese Phase nicht mit dem Testbetrieb der neuen Infrastruktur an sich verwechselt werden darf! Die Infrastruktur muss bereits stabil und performant laufen, weil Probleme, die in dieser Akzeptanz prägenden Phase auftreten, der jeweiligen Plattform auf ewig nachgesagt werden.

Vierter Schritt: Hardwaremigration.

Nach einem angemessenen Testzeitraum kann die alte Hardware abgebaut werden. Eine sichere Datenlöschung ist dabei ein wesentlicher Aspekt. Allerdings muss bedacht werden, dass Thin Clients für den Anwender doch etwas anders zu bedienen sind (z. B. Tastencode zum Sperren des Bildschirms) als PC. Auf eine Einweisung kann nicht verzichtet werden.

Ein nach dieser Vorgehensweise durchgeführte Migrationsprojekt hat auch während der Migration nur minimalen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Anwender.